D800 challenge in NY


Nikon Schweiz hat mich im Januar angefragt, ob ich auf einen Testshoot mit der neuen D800 in NY Lust hätte. Diese spannende Aufgabe konnte ich mir nicht entgehen lassen. Am 26.-29. März trafen sich dann Kameraleute und Blogger aus aller Welt auf der Insel um den Hudson River, um die Kamera in verschiedenen Situationen zu testen.

Details zur Kamera:

HDMI-Output

Dass der HDMI-Ausgang ein cleanes und unkomprimiertes Signal liefert, wird viele glücklich machen. Er erlaubt nun das Aufzeichnen des Video- und Audiosignals in externen Rekordern, die postproduction-freundlichere und weniger komprimierte Codecs bzw unkomprimierte Formate verwenden. Interessanterweise lässt sich kein 1080p25, sondern nur ein 1080i50 einstellen. Atomos Ninja kann mit dem neuen Firmwareupdate das Signal ohne Verluste in 1080p25 aufzeichnen.

Aus technischen Gründen wechselt das HDMI-Format bei Start des internen Recordings auf 720p60. Gleichzeitiges Aufnehmen auf die interne Karte und auf einen externen Rekorder macht in den meisten Fällen also keinen Sinn. Falls man den HDMI-Ausgang lediglich fürs Monitoring verwendet, muss man sich bewusst sein, dass beim Start des Recordings der externe Monitor 1-2 Sekunden benötigt für die Formatumschaltung. Im Vergleich zur 5D Mk2 (480p) erhält man allerdings immer noch HD-Auflösung! Damit kann ich in den meisten Situationen mit gutem Gewissen die Schärfe beurteilen!

Ich bin mit HDMI etwas auf Kriegsfuss. Daumen hoch für das unkomprimierte Signal, Daumen runter für dessen Feld-Untauglichkeit! Zu viele Kabel sind auf Drehs schon im Eimer gelandet. Für statische Studio-Aufnahmen wie häufig bei Greenscreen-Aufnahmen ist der Anschluss allerdings Gold Wert. Der am Test anwesende Nikon-Ingenieur aus Japan meinte, dass HD-SDI für künftige Kameras diskutiert wird. Den Videokameramann würde es mehr als nur erfreuen, der Fotograph hätte allerdings kaum Verständnis für das Mehrgewicht. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Batterygrip mit einem BNC-Anschluss speziell für Videoleute entwickelt wird.

Ton

Man merkt sofort, dass Nikon die Wünsche der Videografen ernst genommen hat. Das für viele Kameraleute wichtige Feature, den Ton mit Kopfhörern abzuhören, steht nun zur Verfügung. Ebenso hat man Audiometer zur Kontrolle des Levels. Leider kann man während der Aufnahme den Pegel nicht verändern.

Rollingshutter-Effekt

Der Rollingshutter-Effekt ist leider immer noch deutlich spürbar, auch wenn er weniger dramatisch ausfällt als bei der 5D Mk2.

Low-Light-Performance

Beim Rauschverhalten merkt man, dass die Sensoren und die Prozessoren einen Schritt nach vorn gemacht haben. Allerdings spürt man auch die Limiten eines mit 36MP beladenen Sensors: das Rauschen bei 3200 ISO ist gut sichtbar, besonders der Rot Kanal leidet. Hier wurde zugunsten der Auflösung ein Kompromiss gemacht. Wer Low-Light-Video als Keyfeature sucht, der ist bei der D4 oder einer Mk3 besser bedient. DSLRNewsshooter hat während desselben Tests in NY die D800 und die Mk3 bezüglich Rauschen getestet:

Nikon D800, D4 and Canon 5D mkIII low light samples from Dan Chung on Vimeo.

Sensor-Crop

Als sehr wertvoll hat sich der Sensor-Crop erwiesen. Wer schnell eine um das 1.5-Fache längere Brennweite benötigt, kann dies ohne Qualitätseinbusse und ohne Objektivwechsel tun.

Moirée

Moirée ist leider noch nicht tot:

Gemäss Tests von DSLRnewsshooter zeigt die 5D MK3 praktisch keine diese durch die Skalierung des Bildes verursachten Artefakte.

Monitor

Das Scaling auf die Auflösung des Monitors ist dürftig. Pixelcrawling ist deutlich sichtbar (auch wenn das aufgenommene Material diese Artefakte nicht aufweist).

Aufzeichnungsformat

Mit dem Quicktime-Container verabschiedet sich Nikon zum Glück vom AVI-Wrapper. Es wird ein H.264 Codec verwendet, der bei der höchsten Qualitätsstufe bei 1080p25 mit einer Datenrate von 23Mbit/s schreibt.

Die Kamera besitzt 2 Cardslots (CF und SD). Movies und Stills können auf getrennte Karten aufgezeichnet werden. Das macht in einigen Fällen den Postproduction-Workflow etwas schneller.

Dynamik

Zum Test:

  • Testchart von Sureshot (nicht geeignet für Dynamic Range Test, da der Unterschied Schwarz zu Weiss lediglich 4,5 Blenden beträgt)
  • Canon 5D Mk2 bestückt mit 50mm 1.2, ISO 160, 1/50, F2.0, AutoWB, Picture Profile Standard (mit Ausnahme minimaler Kontrast)
  • Nikon D800 bestückt mit 50mm 1.4, ISO 160, 1/50, F2.0, AutoWB,Picture Profile Standard (mit Ausnahme minimaler Kontrast)
  • Mit den genannten Einstellungen war das Weiss des Testcharts bei beiden Kameras äquivalent zu 70% auf dem Waveform-Monitor. Damit war es mir möglich, die Schatten zu beurteilen, nicht jedoch die Highlights.
  • Die Quicktime H.264-Files wurden mit 5DtoRGB (FullRange; Rec 709) in Quicktime Prores umgewandelt.

Ergebnis

  • Die beiden Kameras zeigen einen ähnlichen Dynamikverlauf in den Schatten, mit einem leichten Vorteil für die D800. Während des Drehs in New York hatte ich bereits den Eindruck, bei der D800 mehr Details in den Schatten zu sehen. Dies auch im Vergleich mit der MK3, die ich kurz in den Händen halten durfte.
  • 5DtoRGB erzeugt bei der D800 kontrastärmere Bilder! Alle Quicktime-basierten SW (Quicktime Pro, Compressor, MPEG Streamclip) interpretieren – so scheint es – das Footage als Broadcast Range (16-235), was zu deutlich erhöhtem Kontrast führt. Dies ist bei Canon-Bildern nicht der Fall. Wer den vollen Kontrastumfang der Kamera ausnutzen will, der konvertiert mit 5DtoRGB!
  • Beim Test habe ich festgestellt, dass die D800 selbst im FX-Modus (also mit ungecropptem Sensor) einen kleineren Bildausschnitt zeigt als die 5D Mk2.

Autofokus

Der Autofokus reagiert sehr schnell; er eignet sich auch, um während der Aufnahme neu zu fokussieren, falls man ein kurzes Schärfepumpen akzeptieren kann. Nikon scheint sein Image als Hersteller mit dem besten Autofokus auch im Videobereich pflegen zu können!

Blendenanpassung

Die Funktionstaste und die Abblendtaste können so programmiert werden, dass sie als fast stufenlose Verstellknöpfe für die Blende funktionieren. Dies bedeutet sanftere Übergänge bei Situationen, die eine Blendenanpassung erfordern. Zudem werden störende Geräusche eliminiert, die z.B bei der 5D Mk2 deutlich hörbar aufgezeichnet werden.

Sonstiges

Die Timelapse-Funktion war ein Feature, das sich besonders in New York als sehr praktisch erwiesen hat. Es erlaubt, Einzelbildfolgen direkt in ein Quicktime umzurechnen und in der Kamera anzuschauen.

Die Aktivierung des Liveview Modus passiert mit einer Verzögerung von etwa einer Sekunde; in Situationen, in denen die Kamera sofort gebraucht wird, ist das eine Ewigkeit.

Fazit

Die D800 wird viele glücklich machen: Alle, die guten Ton brauchen und die Levels während der Aufnahmen kontrollieren möchten, jene, die einen Sensor mit viel Zeichnung in den Schatten benötigen, jene, die ohne unkomprimiertes cleanes HDMI-Signal nicht auskommen, jene, für die das Timelapse-Feature unablässig ist oder die ohne die stufenlose Verstellung der Blende oder die Sensor-Cropfunktion nicht auskommen können.

Low-Light-Videografen und Anti-Moirée-Aktivisten werden wohl eine 5D Mk3 in Betracht ziehen oder das Sparschwein plündern und sich die D4 leisten.

Nikon spielt nun in der selben Liga im DLSR-Videobereich wie Canon; die D800 übertrifft in einigen Bereichen sogar die direkten Konkurrenten inklusive der MK3.

Auch in Anbetracht des Preises eine interessante Option!

Wunschliste

HD-SDI (z.B. am optionalen Batteriegriff)

Aufzeichnung I-Frame Codec, am besten Apple Prores und DNxHD, oder sogar raw!

1080p50 bzw 6o. Gerne nehmen wir höhere Frameraten für Slowmotion!

Nikon Short Final Master
Nikon Short Final Master
Nikon_Short_Final_Master.mov
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9 Responses to “D800 challenge in NY”

  1. esther says:

    cool film! beautiful pictures!

  2. Damos says:

    Hallo Roman

    was ist das für ein Container File auf Vimeo =? ( apple prores 422 oder ein h.264 oder was anderes )
    Also meine Dein Upload File auf Vimeo….

    Danke und Lg DaMos

    • Roman says:

      es handelt sich um einen QuickTime-Container mit H.264-Video- und AAC-Audiocodec mit total ca. 7MBits Datenrate in 1080p25.

      • Damos says:

        Danke :)

        Gibts das Orginal auch irgendwo ? Hast du mit ProRes/Atmos aufgezeichnet ?

        • Roman says:

          ich habe nur intern aufgezeichnet; dann mit MPEG Streamclip in Prores gewandelt (heute bin ich schlauer und würde nur 5DtoRGB verwenden). Ich kann dir das fertige Prores zum Download anbieten, oder einzelne Quellfiles ab Kamera…

  3. David says:

    Hallo Mr. Lehmann

    Congratulations with the beautiful video, very nice work.
    I like also the soundtrack of the video, the music is an excellent choice.
    Is it possible to give me the name of the soundtrack please ?

    I would be grateful.

    Many Greetings.

    • Roman says:

      Hi David!
      Thanks for your post!
      The soundtrack is called “Cool Design” composed by Curtis Schwartz and is available from KPM Music.
      Hope that helps!
      All the best

  4. Martin says:

    Hallo Roman,

    vielen Dank für die Informationen zur D800 auch im Vergleich zur Mark3 und D4.
    Für eine Kaufentscheidung sehr hilfreiche Details, top !

    Dein NY Video ist sehr gelungen, da werden sich einige ein Beispiel nehmen…
    Das Nikkor 24-70mm ist beim Dreh wohl auch zum Einsatz gekommen
    Ist der Schnitt mit FCP X oder doch FCP 7 gemacht ? Das Grading mit Apples “Color” oder doch Resolve ?

    Natürlich wäre ich am Rohmaterial interessiert, um das Ergebnis von Schnitt und Grading selbst mit FCPX und Color, bzw Resolve Lite zu testen :)

    Keep up the good work, Frohes Fest und Gruß aus dem weißen Hamburg.

  5. Roman says:

    Hoi Martin!
    Danke für deine Rückmeldung!
    Ja, das 24-70 gehört bei mir für solche Run&Gun Shoots immer in die Kameratasche.
    Das Grading habe ich in fcp 7 mit Mojo gemacht.
    Gerne schicke ich dir den Link zum Master-File (Prores HQ, 1080p25) per eMail…
    Lieber Gruss nach Hamburg und frohe Festtage
    roman

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